Märchenbrunnen

Auf der Gartenbau- und Kunstausstellung 1904 gehörte die von dem französischen Bildhauer Max Blondat geschaffene Kindergruppe zu den meistbewunderten Kunstwerken. Der Verschönerungsverein nahm mit dem Künstler Verhandlungen auf, und im folgenden Jahr wurde ein auch in Einzelheiten der Ausführung und in der Mitwirkung des Bildhauers bei eventuellen späteren Beschädigungen regelnder Vertrag geschlossen. Schon damals war die kleine Rasenfläche am Ananasberg als Ausstellungsort vorgesehen.

Max Blondat war ein um die Jahrhundertwende ungewöhnlich erfolgreicher Künstler. Ausstellungen in Europa und in Amerika machten seine Werke weit bekannt. Der Märchenbrunnen steht nicht alleine in Düsseldorf, sondern auch in Odessa (Russland), Zürich (Schweiz), Dijon (Frankreich) und Denver (USA). Das aus Blanc-Clair-Marmor gemeißelte Werk war 1905 fertig.

Auf einem Tropfsteinsockel, von dem nasses Moos und feuchte Flechten herabzuhängen scheinen, sitzen dicht aneinandergedrückt drei Kinder, die auf drei Bronzefrösche am gegenüberliegenden Brunnenrand schauen. Aus dem Mäulern der Tiere spritzen dünne Wasserstrahlen.

Der aus Blanc-Clair-Marmor gemeißelte Märchenbrunnen wurde 1905 von Max Blondat geschaffen. Eine Nachbildung – das Original ist im Stadtmuseum zu bewundern – steht am Rande des Ananasberges, in der Nähe der Goldenen Brücke.

Der aus Blanc-Clair-Marmor gemeißelte Märchenbrunnen wurde 1905 von Max Blondat geschaffen. Eine Nachbildung – das Original ist im Stadtmuseum zu bewundern – steht am Rande des Ananasberges, in der Nähe der Goldenen Brücke.

Das schöne Gitter gehörte nicht zu dem ursprünglichen Plan. Bald nach der Aufstellung war es notwendig geworden, den Brunnen „mit einem nicht zu niedrigen, geschmackvoll ausgestatteten Gitter zu umgeben, dessen Spitzen mit Widerhaken zu versehen seien, um ein Übersteigen zu verhindern.” Zeitweise mußte ein Polizist das Kunstwerk vor mutwilligen Beschädigungen schützen, deren unrühmliche Kette nie abriß. Erneuerungen durch die Bildhauer Julius Haigis und Fritz Coubillier wurden nötig. Leider haben die mutwilligen Beschädigungen 1985 dazu geführt, dass eine Nachbildung (aus Muschelkalk), eine Stiftung von Walter Kesslers, an die Stelle des Originals im Hofgarten gesetzt wurde. Das Original wurde restauriert und befindet sich seit 1998 im Stadtmuseum an der Berger Allee.

Die Gefälligkeit und Süße der Formen des Brunnens lies erst nachträglich die Frage aufkommen, ob nicht mehr als ein Genremotiv dargestellt sei. Zwar widersprechen die drei Frösche und die drei nackten kindlichen Mädchen dem Märchen vom Froschkönig, doch empfand man vage Entsprechung vielleicht als besonderen Reiz, und nach wenigen Jahren hatte sich der heutige Name allgemein durchgesetzt.

Der Märchenbrunnen scheint wie ein Zeichen einer glücklicheren Zeit, deren Lebensgefühl er wohl ungewöhnlich entsprach. Immer wieder wurde die Bitte geäußert, das Werk nachbilden zu dürfen. Die wohltuend in die Natur eingefügte Anlage, der noch heute lebendig gebliebene Charme der Gruppe, das Zusammenspiel der zart empfundenen Marmorfiguren mit den dekorativen, geschmiedeten Gitter machen das Kunstwerk zu einem der reizvollsten Denkmäler der Stadt.